5. Ostersonntag C 2022
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5. Ostersonntag 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Woran erkennt man einen echten Christen? Manche würden vielleicht sagen, am häufigen Gottesdienstbesuch, oder an seinem Gebetspensum, an seiner Frömmigkeit. Die Antwort, die Jesus im heutigen Evangelium gibt, hört sich allerdings anders an. Er sagt an der Liebe. „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt.“ Die Liebe ist also das Erkennungszeichen der Christen. Und zwar geht es um die konkrete Nächstenliebe. Diesmal sagt Jesus nicht: Liebt Gott! Auch nicht: Liebt mich, sondern er sagt:  Liebet einander! An der Liebe, die ihr zueinander habt, daran wird man merken, dass ihr zu mir gehört, dass ihr Christen seid. Und wenn wir richtige Nächstenliebe haben, lieben wir auch Gott. Jesus konkretisiert noch: „Liebet einander, wie ich euch geliebt habe.“ Und wie hat der Herr uns geliebt? Die Liebe Jesu ging so weit, dass er sein Leben für uns hingab.

Im Abendmahlssaal, am Tag vor seinem Tod, wird Jesus sagen: Bleibt in meiner Liebe! Bleibt in der Liebe zu Gott! Es ist die wichtige Ergänzung: Gottes- und Nächstenliebe. Das ist das oberste Gebot. Es wird das Doppelgebot der Liebe genannt.

Die Liebe zum Nächsten können wir mit Taten zeigen, indem wir ihm Gutes tun. Die Liebe zu Christus ist schon schwieriger, da er vor 2000 Jahren gelebt hat und er nicht mehr sichtbar unter uns ist. Die Liebe zu Gott ist dann noch schwieriger festzustellen. Hier ist vor allem das Herz entscheidend. Ich kann viele Messbesuche machen, ohne dass mein Herz dabei ist. Ich kann Formelgebete herunterleiern, ohne einen Gedanken dem lieben Gott zu schenken. Das Herz muss unbedingt dabei sein, wenn ich Gott lieben will.

Im AT hatte man erstens eine sehr ehrfürchtige Liebe zu Gott. Denken wir an Mose, der aus Ehrfurcht die Schuhe auszog, bevor er sich dem brennenden Dornbusch näherte.

Es war zweitens aber auch eine dankbare Liebe zu Gott. Sie erinnerten sich immer wieder zurück, wie Gott sie geführt und geleitet hat, besonders als sie aus Ägypten zogen. Sie wussten, wie viele unverdiente Gnaden sie geschenkt bekommen haben.

Diese Liebe muss schließlich eine gehorsame Liebe sein. Sie muss gehorsam gegenüber den Geboten Gottes sein. Sie muss so gehorsam sein, wie Jesus seinem Vater gehorsam war: Er war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.

Letztlich muss es eine treue Liebe sein. Es darf nicht nur eine Liebe sein, wenn es uns gut geht. Ich gehe am Sonntag nur dann in die Messe, wenn ich dazu aufgelegt bin. Ich bete, wenn ich in Stimmung bin. Dies ist nicht die vollkommene Liebe. Die Liebe ist treu, wenn ich auch bei Gott bin, wenn es schwer wird, wenn ich mich überwinden muss, wenn es Opfer kostet.

Das Gleiche gilt ebenfalls für die Nächstenliebe. Das gilt für die Ehe. Das gilt im Alltag, wenn wir immer wieder aufeinander zugehen müssen, wenn es Streit gab und wir verzeihen müssen usw.

Ich soll Gutes tun, auch wenn ich weiß, ich bekomme dafür nichts zurück. Ich mache jemanden eine Freude, obwohl ich ihn nicht mag, obwohl er mir unsympathisch ist. Das ist das Schwere an der wahren Liebe, aber auch das Schöne daran. Wenn wir merken, jemand bemüht sich in dieser verrückten Liebe, die nichts erwartet, ist das faszinierend und anziehend und wir selbst werden motiviert, an uns zu arbeiten, uns zu bemühen, sodass wir den Auftrag Christi erfüllen, der da lautet: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022