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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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6. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Sie kennen vielleicht das Märchen Hans im Glück. Es ist ein Grimms Märchen, das wie üblich beginnt, mit den bekannten Worten: „Es war einmal…“ Dieser Hans erhält als Lohn für sieben Jahre Arbeit einen großen Klumpen Gold. Diesen tauscht er gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans und die Gans gegen einen Schleifstein und einen Feldstein. Er glaubt immer ein gutes Geschäft zu machen, und schließlich fallen ihm diese beiden schweren Steine, als er trinken will, in einen Brunnen. Dann sagt er: „So glücklich, wie ich, gibt es keinen Menschen unter der Sonne. Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter angekommen war.“

Ein zweites Beispiel. Vor 9 Jahren machte ein österreichischer Millionär Schlagzeilen, als er seinen kompletten Besitz verkaufte und sagte: „Meine Idee ist es, nichts mehr zu haben. Geld ist kontraproduktiv – es verhindert, dass man glücklich ist.“

Ein drittes Beispiel noch, das ich letzte Woche erlebt habe. Ich gab Exerzitien in Assisi für die deutschen Schwestern der Klarissen-Kapuzinerinnen. Sie verzichten, so wie der hl. Franziskus, auf allen Besitz und leben in Klausur, hinter Gittern, abgeschieden von der Welt, um betend nur für den lieben Gott da zu sein. Und obwohl sie auf all unseren Lebensstandard wie Handy, Internet und alle anderen Dinge verzichten, die den Menschen in der Welt so wichtig sind, sind sie glücklich.

Liebe Brüder und Schwestern! Was ist Glück? Jeder Mensch hat die Sehnsucht glücklich zu sein. Auch Jesus weiß um diese Sehnsucht und zählt auf, wer wirklich glücklich ist, wer selig ist. Momentan wundern wir uns. Selig ist, wer arm ist, wer hungert und weint.

Stimmt das wirklich? Selig wer arm ist! An meinen Beispielen sieht man, dass Reichtum nicht unbedingt glücklich macht, bzw. dieses Glück nicht von Dauer ist.

Jesus spricht dann von einem Glück, das immer andauert. Er spricht vom Reich Gottes. Er erinnert an den Himmel. Gott kann uns einmal für immer glücklich machen. Hier auf Erden kann unsere Seele dies nicht fassen. Du wirst immer wieder mit Glück gesättigt sein. Aber jedes Spiel wird mit der Zeit langweilig. Jedes Glückserlebnis gehört irgendwann der Vergangenheit an. Jedes Glück hier auf Erden ist nur von einer gewissen Dauer. Das Glück, das Gott uns einmal schenken will, wird nie aufhören. Das ist unvorstellbar! Doch wir tragen diese Sehnsucht im Herzen und möchten, dass auch wir dieses Glück haben.

Hier auf Erden ist Glück auch sehr subjektiv und relativ. Ein Kind in der Dritten Welt freut sich über einen Kugelschreiber und über ein Stück Brot mehr und ist darüber glücklicher, als ein Kind bei uns, das so gesättigt ist, dass Eltern es mit Geschenken fast gar nicht mehr glücklich machen können.

Gott kann uns glücklich machen, wenn wir arm sind. Wenn unser Herz leer ist, wird Gott es füllen. Daher: „Selig die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich.“

Ein letztes Beispiel: Dem Peter erscheint eine Fee und schenkt ihm einen Wunschring. Drei Wünsche hat er frei. Aber pass auf! Wünsche klug! Der erste Wunsch, den er hat, ist, ein mächtiger König zu sein. Sofort geht der Wunsch in Erfüllung. Er sitzt auf einem Thron, eine Menge Diener und Soldaten warten nur auf seine Befehle. Das ist ja ganz nett. Aber irgendwann drückt auch die schönste Krone ziemlich schwer auf dem Kopf, und das Sitzen auf dem Thron wird langweilig. Er dreht erneut den Wunschring und wünscht sich ein starker Kerl zu sein, der von allen bewundert wird. Prompt wird auch dieser Wunsch erfüllt. Er wird bewundert, als er große Baumstämme hin- und herträgt. Die versammelte Menge jubelt ihm zu, da ruft ihm ein kleines Kind aus der Menge zu: „Stark bist du wohl, ja, aber glücklich bist du nicht.“ Da beginnt er nachzudenken und kommt drauf, dass das doch das Wichtigste wäre. Er dreht den Ring und wünscht sich glücklich zu sein. Siehe da: Er sitzt an seinem alten Platz, wo er vorher war. Er gerät ins Grübeln und steht nachdenklich auf und sagt sich. Dann kann ich wohl nur als „Peter“ glücklich sein!

Glücklich sein ist auch eine Frage meiner Einstellung zum Leben. Bin ich zufrieden mit dem, wie es momentan ausschaut, oder brauche ich immer mehr?

Selig die Armen! Hänge ich am Materiellen, am Geld, oder ist doch Gott für mich der Wichtigste, denn dann kann mich auch Gott einmal glücklich machen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019