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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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24. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Wir hörten im Evangelium gleich drei Gleichnisse, die im Prinzip alle das gleiche ausdrücken: nämlich, dass der Mensch für Gott unvorstellbar wertvoll ist. Erstens die Suche nach dem Schaf. Jesus vergleicht den Menschen zuerst mit einem Tier, das für den Hirten wertvoll ist. Zweitens das Suchen nach der Drachme. Sogar ein verlorenes Geldstück ist ganz wichtig. Drittens das sehnsüchtige Warten auf den verlorenen Sohn: Der Mensch ist wertvoll für Gott.

Wenn sogar ein Geldstück für so manche von so großem Wert ist, es unermüdlich zu suchen, ein Schaf sehnsuchtsvoll vom Hirten gesucht wird, wieviel mehr wert ist dann der Mensch vor Gott.

Der Mensch hat eine unsterbliche Seele und ist für die Ewigkeit bestimmt. Deshalb ist er so wertvoll für Gott. Wenn wir aber den Menschen medizinisch, biologisch untersuchen, ihn zerlegen in seine materiellen Bestandteile, wird man entdecken, dass der Mensch relativ wenig wert ist.

Ich habe in einem Buch einmal eine kuriose Bestandsaufnahme gelesen: Angenommen ein Mensch wiegt 65 kg, so besteht er aus 45 l Wasser und aus Fett, das für sieben Stück Seife reichen würde. Er besteht aus Kohlenstoff für die Herstellung von 9000 Bleistiften. Er besteht aus Phosphor, gerade genug, um daraus 2000 Streichholzköpfe zu machen. Er besteht aus Magnesium, aus dem eine kleine Menge Salz gewonnen werden kann. Er besteht aus ein wenig Kalk. Er besteht aus ein wenig Eisen, das dem Gewicht eines kleinen Nagels entspricht und aus Schwefel, der genau die Menge ausmacht, um einen Hund vom Ungeziefer zu säubern.

Wenn man diese Einzelbestandteile kaufen würde, wäre man nicht viel Geld los. Natürlich kommt dazu der Leistungswert, aber wenn wir den mit einer Maschine vergleichen, ist das auch nicht viel.

Für Gott sind wir aber unbezahlbar. Wir sind in den Augen Gottes von so hohem Wert, dass er alles daran setzt, uns zu suchen und zu finden. So wie der gute Hirt das verlorene Schaf sucht, so wie die Frau die Drachme sucht und so wie der barmherzige Vater nach den verlorenen Sohn Ausschau hält.

Und die Freude ist unbeschreiblich groß, wenn Gott den Verirrten oder das Verlorengegangen gefunden hat.

So ist es für uns alle wichtig, dass wir ausschauen nach verlorenen Menschen, denen Gott nicht mehr wichtig ist. Nicht nur Gott sucht den Menschen, sondern auch der Priester muss suchen, und jeder von uns ist aufgerufen, zu schauen und zu suchen nach dem verlorengegangenen „Schäfchen“.

Eines aber ist natürlich die große Grundvoraussetzung: Der Mensch muss sich von dieser göttlichen Liebe finden lassen. Das wird besonders im Gleichnis vom barmherzigen Vater deutlich.

Der Sohn muss zuerst einsehen, dass er gesündigt hat. Er muss einsehen, dass er die Gebote Gottes übertreten hat. Er muss einsehen, wohin er gekommen ist. Bis dass der verlorene Sohn wieder beim Vater ist, sind 3 kleine „Wunder“ geschehen.

Das erste Wunder ist, dass der verlorene Sohn überhaupt nachdachte. Der heutige moderne Mensch denkt oft über alles mögliche nach, nur nicht über Gott und über seine Gebote. Zuerst hat der Sohn auch nur nachgedacht, wie er ein schönes Leben führen könnte, wie er sich vergnügen könnte, und er hat keinen Gedanken an das Vaterhaus verschwendet. Er fühlte sich wohl in diesem zügellosen Leben, bis plötzlich das Unglück über ihn kam. Er verschleuderte alles, und es kam dann die Hungersnot, sodass er bei den Schweinen landete. Wie tief ist er gefallen! Wie tief fallen heute oft Menschen!  Aber auch heute gibt es Menschen, die umkehren und: „Es wird im Himmel mehr Freude herrschen über einen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte.“

Das zweite Wunder ist, dass Gott auch den Willen so stark machte, dass er umkehrte. Der Sohn entschließt sich wirklich aufzubrechen. Ist es nicht oft so, dass wir schwach sind, unseren Willen auch auszuführen. Lange Zeit trägt der Sohn sein Elend mit sich herum und überlegt, aber er kann sich nicht entscheiden, bis er zu sich dann doch sagt: Ich will aufbrechen.

Wie oft ist vielleicht auch bei uns der Gedanke: Ich müsste eigentlich einmal wieder zur Beichte gehen und alles abladen, was sich da aufgestaut hat, und es gelingt einem nicht. Es wird wieder aufgeschoben. Das zweite Wunder ist: Er macht ernst und bricht auf.

Das dritte Wunder ist dann das persönliche Bekenntnis. Er kann es auch seinem Vater sagen: Ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Er hat die Demut und macht sich klein vor Gott. Das Bekenntnis gehört ebenfalls dazu, und dann vergisst der barmherzige Vater alles. Er läuft ihm nicht nur entgegen, sondern feiert mit ihm ein Freudenfest. Alles ist vergessen! Es gibt kein Nachtragen! Kein Vorwurf des Vaters ist zu hören. Kein Wort von der Vergangenheit! Der durch die schwere Sünde tote Sohn lebt wieder!

In allen drei Gleichnissen also spüren wir die Liebe Gottes zu uns Menschen. Wir sind für ihn unendlich viel wert, und er tut alles, damit wir einmal für immer bei ihm sein können. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019