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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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20. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Es gibt heute ein vielgebrauchtes Modewort, das heißt: „cool“. Zunächst drückt es die physikalische Temperatur aus: kühl. Nach dem Sprachlexikon bedeutet „cool“ im übertragenen Sinn „kaltblütig“, „gelassen“. Wenn jemand ein „cooles“ Verhalten hat, dann berührt ihn das nicht, das lässt ihn kalt.

Die Jugend verwendet es aber schon für alles mögliche. Cool bedeutet lässig, cool bedeutet super, toll. Alles, was überrascht und außergewöhnlich ist, ist cool. Ursprünglich bedeutet es jedoch kühl und kalt.

Jesus sagt aber im heutigen Evangelium das Gegenteil: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen.“ Das Feuer ist der Heilige Geist. Er will keine Kälte. Wir sollen uns vom Feuer der Liebe des Heiligen Geistes entzünden lassen. Von der Begeisterung des Glaubens sollen wir uns anstecken lassen und somit Feuer sein. Wir sollen leuchten und ausstrahlen. Jesus will keine kalten und eingefrorenen Herzen, sondern feurige Herzen, die sich für ihn und seine Kirche einsetzen. Und doch sollen wir uns auch nicht im Eifer des Gefechts erhitzen. Wenn möglich heißt es, die Ruhe bewahren und im Gespräch mit sachlichen Argumenten den Anderen zu überzeugen versuchen. Wir sollen also doch cool sein, „Cool“ im richtigen Sinn sein.

Wie ist nun dieses folgende schwere Wort Jesu zu verstehen: Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern Spaltung. Normalerweise erwartet man sich genau das Gegenteil. Jesus würde doch, so möchte man meinen, folgendes sagen. „Ja, ich sage euch, ich bin gekommen um Frieden zu bringen, nicht Spaltung. Denn von nun an wird es so sein. Wenn fünf Menschen im gleich Haus leben, wird Friede herrschen. Drei werden für zwei stehen und zwei für drei, der Vater für den Sohn und der Sohn für den Vater, die Mutter für die Tochter und die Tochter für die Mutter, die Schwiegermutter für ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter für die Schwiegermutter.“ Das hört sich doch viel besser an und doch hat Jesus genau das Gegenteil gesagt. Wie ist das also zu verstehen?

Es ist ganz einfach: Wer sich ganz für Christus einsetzen will, sich zum Glühen bringen lässt von Jesus und von der Botschaft Jesu begeistert ist, der wird sich nicht abbringen lassen, die Botschaft verkünden. Und an Christus scheiden sich die Geister. So war es im Urchristentum, als Eltern ihre Kinder, die den Glauben an Christus angenommen hatten, dem Schwert auslieferten. D.h., wenn Eltern ihre Kinder, nur weil sie Christen geworden sind, verfolgen und töten ließen.

Der selige Pater Freinademetz erzählt von seiner Missionsarbeit in China, dass Eltern ihre Kinder aus der Familie ausgestoßen haben, als sie den Glauben an Christus angenommen haben. Wie viele ungezählte Spannungen gibt es heute in den Familien zwischen Eltern und Kindern um Christi willen. Fast keine Familie ist mehr eins. Der eine geht in die Kirche, der eine geht nicht mehr. Der eine geht vielleicht wieder und somit ist oft Spaltung und Leid vorprogrammiert. Somit bewahrheitet sich die Vorhersage Christi: Vater gegen Sohn, Mutter gegen Tochter, Schwiegermutter gegen Schwiegertochter. Der dadurch entstehende Schmerz muss um der Liebe Christi durchgetragen werden. Das Gebet für die Familie ist daher wichtig. Die Liebe zum Nächsten muss bewahrt bleiben.

Wie schmerzhaft so eine Spaltung in der Familie sein kann, sehen wir am Beispiel von der heiligen Edith Stein. Als Jüdin bekehrte sie sich zum katholischen Glauben und trat später sogar in den strengen Karmelorden ein. Ihre große Sorge war: Wie teile ich das alles meiner jüdisch-gläubigen Mutter mit. Als sie ein paar Wochen nach ihrer Taufe sich vor ihrer Mutter hinkniete, ihre Hände in ihren Schoß legte und bekannte: Ich bin katholische Christin, war das ein so großer Schmerz für ihre Mutter, dass eine Flut von Tränen hervorkam. Sie machte sich den großen Vorwurf, ihre Tochter nicht streng und tief genug im jüdischen Glauben erzogen zu haben und sie sei jetzt abgefallen. Die Liebe blieb weiterhin, aber eine große tiefe Wunde war da. Es bestand großes Leid auf beiden Seiten. So hat Jesus das also gemeint, wenn er von Spaltung in den Familien spricht. Wir wollen, auch wenn wir Widerstand spüren, wenn wir glauben, trotzdem cool glauben, cool bleiben und zu unserem Glauben stehen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019