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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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2. Fastensonntag 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Dieses Ereignis auf dem Berg Tabor ist ein großes Geheimnis. Wir nennen es die Verklärung. Was hier geschah, ist ein kleiner Blick in die Herrlichkeit, die hinter Jesus verborgen ist. Ob nicht sich gerade hier das Wort Jesu erfüllt, dass einige den Tod nicht kosten werden, bevor sie den Menschensohn in der Herrlichkeit sehen?

Der Grund, warum Jesus auf diesen Berg stieg, so heißt es, war, um zu beten.

Beten heißt Sprechen mit Gott. Oftmals ist Beten mühsam, aber nehmen wir uns die Zeit zum Gebet. Diese Zeit ist niemals verloren. Jesus stieg also mit seinen vertrautesten Aposteln auf diesen Berg. Oftmals ging Jesus in die Einsamkeit, um zu beten. Dazu eignet sich natürlich besonders die Stille eines Berges.

Viele Leute gehen gerne auf die Berge. Sie fühlen sich dort frei. Die frische Luft tut der Gesundheit gut. Die Schönheit der Natur fasziniert unsere  Augen. Am Gipfel eines Berges sehen wir dann das Gipfelkreuz, das uns an Jesus Christus erinnert, wo ich dann auch ein Gebet sprechen könnte.

Wir wissen, dass Jesus einige Berge bestiegen hat: Den Berg, um die Leute zu lehren in der berühmten Bergpredigt; sowie den Himmelfahrtsberg, als Jesus von den Freunden Abschied nahm.

In der Fastenzeit begegnen uns auch mehrere Berge: Letzte Woche der Berg der Versuchung; heute der Berg Tabor; vor uns die Leidensberge, der Ölberg und der Kalvarienberg. Der heutige Berg unterscheidet sich aber von den anderen Bergen in seiner Aussage, weil wir Jesus sehen in seiner uns sonst verborgenen Herrlichkeit. Die drei Jünger erlebten eine sogenannte Taborstunde. Es ist für sie eine Stunde des Glücks, der Freude und des Staunens, als sie Jesus in strahlend leuchtendem Gewand sahen. Sie möchten den Augenblick festhalten, indem sie dort Hütten bauen. Doch leider dauert dieser nur sehr kurz, und beim Hinabsteigen spricht Jesus bereits wieder von seinem zukünftigen Leiden, denn gerade das war ja das Thema, als Mose und Elija mit Jesus redeten.

Diese zwei alttestamentlichen Gestalten Mose und Elija erscheinen:

Moses, der die 10 Gebote auf dem Berg Sinai von Gott offenbart bekommen hatte. Jesus, der die Schrift erfüllte und die 10 Gebote in seiner Bergpredigt unterstrich und präzisierte. Moses, der die Juden aus der Knechtschaft Ägyptens erlöste, durch die Wüste hindurch 40 Jahre führte und der dann nur von ferne das Gelobte Land schauen durfte.

Elia ist der erste der großen Propheten. Er ist nach dem Bericht der Schrift in den Himmel aufgefahren und wird wiederkommen als Wegbereiter des Herrn. Hier ist er gekommen, um Zeugnis zu geben für Jesus.

Am heutigen Sonntag erleben wir also einen Berg des himmlischen Glanzes zwischen den Bergen der Versuchung und den Leidensbergen (dem Ölberg und dem Kalvarienberg). Der Kalvarienberg ist der Berg, wo Jesus zwischen zwei Verbrecher hängt. Der Berg Tabor ist der Berg, wo Christus zwischen Moses und Elias verklärt wird. Ölberg und Kalvarienberg sind Berge, wo Jesus gelitten hat. Heute, der Berg, wo wir Jesus einen kurzen Augenblick im Glanz der Herrlichkeit sehen dürfen, wo wir aber beim Herabsteigen sofort wieder an das Leiden erinnert werden.  Auf Tabor möchten die Jünger immer bleiben, vor Golgotha fliehen alle außer Johannes. Die Flucht vor dem Kreuz ist etwas durchaus verständliches. Wir wissen aber auch, dass das Kreuz nicht das Ende ist, sondern, dass Jesus den Tod bezwungen hat. Jesus hat dem Leiden einen Sinn gegeben, denn nach dem Leid kommt die Freude. Das Leid ist begrenzt, die Freude unendlich.

Diese Freude werden wir erfahren, wenn wir tun, was die Stimme aus der Wolke gesagt hat: „Das ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören.“ Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019