Hochfest der Unbefleckten Empfängnis
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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Schönheitskönigin oder Immaculata!

Wer hat nicht schon einmal im Fernsehen oder in einer Illustrierten verfolgt, wie eine Schönheitskönigin, eine Miss Universum, oder eine Miss Europa gewählt wird. Monatelang bereiten sich die Bewerberinnen darauf vor mit großem Zeit- und Geldaufwand. Es kommt darauf an, dass äußerlich alles vollkommen ist: Figur und Frisur, Haltung und Lächeln, Augenaufschlag und Kleid - einfach alles ist wichtig und wird von der Jury mit scharfen Augen beurteilt. Jede möchte dann gerne gewählt werden. Für ein paar Stunden oder Tage wenigstens wird sie gefeiert. Das Bild der Glücklichen erscheint in aller Welt, sie wird bewundert, verehrt, umworben und bejubelt. Doch alles ist nur äußere Fassade. Wie schnell ist es verflogen? Wie schnell ist sie vergessen?

Wie anders ist doch eine echte Dame. Dame sein ist bedeutend schwerer, dafür viel edler. Was ist eine Dame? Sie ist eine Frau, die keinen Schmuck braucht, weil sie selber schön ist. Eine Frau, die keine Titel braucht, weil sie den Adel im Herzen trägt. Eine Frau, die im Glück wie im Unglück die Gleiche bleibt, weil sie tapfer ist. Eine Frau, die nie zu befehlen braucht, weil ihre Bitten von zwingender Gewalt sind. Eine Frau, der niemand zu nahe tritt, weil jeder eine Schranke spürt. Eine Frau, zu der man Mutter sagen möchte, weil sie voll Güte ist. Eine Frau, die betteln könnte, ohne dass man sie zu verachten wagte, weil sie voll Würde ist. Eine Frau, die selbstlos dienen kann und der doch jeder dienen möchte. Eine Frau, die eine heimliche Krone trägt, die niemand sieht und um die doch jeder weiss. Eine Frau, die Gott liebt und von ihm begnadet ist. Eine Frau, die Menschen besser macht und keiner weiss wie. Eine Frau, die nie auffällt und doch nicht zu übersehen ist. Eine Frau, die Respekt einflößt, aber nie Furcht. Eine Frau, wie sie sein sollte.

Gibt es so eine Frau, die das alles verwirklicht? Nur einmal hat es das gegeben. Die Mutter des Herrn. Die Immakulata. Sie hat diese innere Schönheit. Diese Ausstrahlung, die uns fasziniert. Alle äußere Schönheit bleibt Fassade, wenn nicht diese inneren Werte ebenfalls da sind.

Wenn Gott sich eine Schönheitskönigin aussucht, dann schaut er auf all diese Dinge, nicht auf die äußere Kosmetik. Gott hat andere Kriterien! Er legt andere Maßstäbe an als die Menschen. Das fängt schon damit an, dass er keine Stellen- oder Preisausschreiben macht, dass sich bei ihm niemand zu bewerben braucht, denn Er kennt jeden Menschen bis ins Innerste. Um seine Wahl zu treffen, braucht er keine Zeugnisse und Empfehlungsschreiben, auch keine Jury. Er schaut nicht auf das Äußere, sondern auf das Herz. Wir wären sicher überrascht, welche Frau unter den Anwesenden, sich Gott zur Schönheitskönigin auserwählten würde. Das muss nicht die Attraktivste sein. Das kann ein altes runzeliges Mütterlein sein, dessen Seele von Schönheit strahlt.

Bevor wir etwas leisten, uns etwas verdienen konnten, hat Gott uns zu seinen Kindern erwählt, hat er uns gewollt, gesegnet, beschenkt. Deshalb hat bei Gott auch jeder Mensch eine wirkliche Chance. Anders als in einer Schönheitskonkurrenz gibt es bei ihm niemanden, der nicht erwählt wäre. Gott will, dass alle Menschen in den Himmel kommen. Ob der Mensch die Wahl Gottes annimmt oder ausschlägt, ob sie ihm zur Seligkeit wird, das ist seine Sache und Verantwortung.

Wir feiern heute das Fest der Immakulata. Gott hat sich Maria ausgewählt. Das Fest sagt, dass Gott Maria im Blick auf das Erlösungswerk seines Sohnes schon mit Gnade überhäufte, bevor sie im Mutterleib empfangen wurde. Die Mutter Gottes hat „Ja“ gesagt zum Willen Gottes. Sie hat darauf geantwortet. Auch wir wollen immer auf den Anruf Gottes antworten. Wir wollen „Ja“ zu seinem Willen sagen, dann wird er auch uns in seinen Schönheitssalon aufnehmen. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email