2. Adventssonntag
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wiederum hören wir im Advent von Johannes dem Täufer, dem unangenehmen, rauen Burschen, der so eckig und kantig uns im Gedächtnis ist, weil er ein ständiger Mahner ist. Er spricht von Umkehr und Buße, von Bekehrung und Sünde. Er steht da als asketischer Rufer, der aus der Wüste kommt, sich mit ungewöhnlicher Nahrung uns vorstellt, wenn es heißt, dass er von Heuschrecken und wildem Honig lebt. Das sind alles Dinge, die nicht recht anziehend sind, die unbeliebt machen. Wer ahmt ihn gerne nach? Wer tut das, was er fordert?

Und doch strömten damals die Menschen in Scharen zum Jordan und ließen sich taufen. Er hatte einen Zulauf wie kaum jemand. Selbst Herodes, den er des Ehebruchs unbarmherzig öffentlich anklagte, hörte ihm gerne zu. Viele kamen und lauschten seiner Botschaft. Manche Leute glaubten, er selbst sei der Messias. Aber nein, er spricht ganz deutlich, dass er nur der Vorläufer ist. Er ist nicht würdig, diesen Erlöser, auf den alle warten, die Schuhriemen zu lösen. Dieser ist größer als er. Wir wollen uns aber vorbereiten, denn er ist nahe. Er kommt bald. Daher: Räumt die Steine weg! Ebnet dem Herrn die Straßen. Bereitet ihm den Weg! Was liegt alles zwischen uns und Gott? Kann er kommen oder muss er mühselig über Berge und Täler gehen? Muss er mühsam durch den Dschungel der Sünde, durch den Urwald unserer Beschäftigung mit lauter Irdischem? Das kann ein Berg von Geld sein. Das kann die Schlucht der Mutlosigkeit sein. Das können die Steine sein, die wir vor dem Mitmenschen aufgebaut haben, durch Streit, wenn wir keine Bereitschaft zur Vergebung haben, wenn wir von anderen nur schlecht denken, wenn wir lieblos sind, wenn wir manche Menschen bewusst meiden und ablehnen, wenn wir verleumden, Unschuldige verdächtigen, unehrlich sind, neidisch, friedlos, nicht verzeihen können… Räumt all diese Steine weg!

Johannes verwendet das Bild des Weges und der Straße. Zwischen jedem Menschen und Jesus Christus gibt es eine Straße, einen Weg, eine Brücke. Über diesen Weg, über diese Brücke möchte Jesus zu uns kommen. Er kann es aber nicht, weil Steine und Felsen den Weg verschüttet haben oder schlimmsten Falles die Brücke eingestürzt ist.

Die Steine sind die Sünden, die Jesus im Weg stehen.

Ein großer Felsbrocken ist z.B., wenn ich nicht mehr bete, wenn Gott in meinen alltäglichen Leben immer weniger Rolle spielt. Oder vielleicht bete ich schlampig, mit den Gedanken immer woanders. Zu diesem Stein gehört auch, wenn ich aus Bequemlichkeit nicht zur Sonntagsmesse gehe. Wenn ich selten oder unregelmäßig in die Messe gehe, aber dennoch immer zur Kommunion gehe.

Dieser Stein betrifft auch das Glaubensleben allgemein. Ich interessiere mich wenig für Gott. Ich lese nie etwas Religiöses oder in der Hl. Schrift, noch sonst etwas, was mich religiös weiterbildet und meinen Glauben vertieft. Ich bin zum Teil selbst schuld, dass mein Glaube so unsicher geworden ist und mir die Kraft zum Glauben fehlt. In meinen Notlagen und Ausweglosigkeiten suche ich nicht Hilfe bei Gott, bei den Engeln und Heiligen als Fürsprecher, sondern in abergläubischen Dingen und Ritualen. Gott ist bei mir nicht mehr die Mitte des Lebens. Er hat nicht mehr den ersten Platz, denn es stehen so viele selbstgemachte Dinge auf gleicher Ebene.

Ein besonders eckiger Stein symbolisiert gut unseren vielleicht scharfen und beleidigenden Umgang mit unseren Mitmenschen. Wo wir Menschen mit unseren Worten verletzten, sie vielleicht vernichteten, oder ihren guten Ruf mit einer Intrige schädigten. Oder: Ich bin für andere notleidende Menschen nicht da gewesen, wenn sie mich gebraucht hätten.

Ein verrußter Lavastein lenkt unsere Gedanken vielleicht auf unseren Leib: auf die Treue in der Ehe, auf ein keusches und reines Leben in unseren Gedanken und leiblichen Ausdrücken.

Da gibt es noch raue Steine, wenn wir z.B. uns etwas angeeignet haben, das nicht uns gehört oder nicht zurückgegeben haben und glatte Steine der Lüge, wo wir die Wahrheit verdreht haben und irgendwo herausgemogelt haben, glitschige Steine, sich winden und drehen, weil ich mich nicht traue die unangenehme Wahrheit zu sagen.

Unsere Sünden sind wie Steine, die auf dem Herzen lasten und drücken. Jesus nimmt diese Steine in der Beichte weg, wenn wir unsere Sünden ehrlich bekennen, bereuen und uns vornehmen besser zu werden.

Das ist das Anliegen Johannes des Täufers. Bereiten wir dem Herrn den Weg! Ebnen wir ihm die Straßen! Was krumm ist, soll gerade werden! Räumt die Steine weg! Amen.

 

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email