11. Sonntag im Jahreskreis B 2021
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11. Sonntag im Jahreskreis 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Jesus hat oft und gern zu den Leuten in Gleichnissen gesprochen. Im heutigen Evangelium vergleicht er das Reich Gottes mit einem Samen, der ausgestreut wird und auf dem Acker unscheinbar und verborgen keimt und wächst. Im zweiten Gleichnis ist das Reich Gottes dann das Senfkorn, das kleinste Samenkorn, das aber größer wird als alle anderen Gewächse.

Dieses Gleichnis können wir erstens auf die Kirche beziehen. Zweitens ist aber auch jeder einzelne angesprochen.

Jesus ist der Sämann, der das Evangelium den Menschen verkündete. Er streute vor 2000 Jahren den Samen seiner göttlichen Lehre aus und die Kirche begann zu wachsen. Es begann die Entwicklung der Kirche im Innern, d.h. die Entwicklung in der Lehre, das tiefere Eindringen in die göttlichen Wahrheiten. Er hat uns dazu den Beistand, den Heiligen Geist, gesandt. Zweitens begann das Wachsen nach außen. Diese Ausbreitung auf der ganzen Welt war immer wieder mit Verfolgung, Rückschlägen und Verirrungen verbunden.

In jeder Menschenseele wird nun ebenfalls der Samen des Evangeliums ausgestreut. Es begann bei jedem von uns mit der heiligen Taufe. Hier können wir wirklich sagen, der Samen wächst still und verborgen. Wir können nicht sehen, dass das Samenkorn keimt.

Dieses Wachsen braucht seine Zeit. Es braucht Geduld. Wir dürfen nicht so handeln, wie es ein törichter Bauer gemacht hat. Er konnte es nicht erwarten, dass das, was er angepflanzt hat, größer wird. Deswegen hat er die kleinen Pflänzchen nach oben gezogen, damit sie schneller größer werden. Doch am nächsten Tag waren alle kaputt und verdorrt, weil er die Wurzeln dadurch ausgerissen hat. So geht es natürlich nicht.

Auch dürfen wir nicht verzweifeln und meinen, der liebe Gott kümmert sich nicht um die Welt, um die Kirche, um den Glauben und um uns. Da hätten wir ein verkehrtes Gottesbild. Gott hat alles in der Hand. Er ist der Lenker der Welt und der Kirche. Es ist seine Kirche, die er gegründet hat. Es ist seine Kirche, die er liebt. Es ist seine Kirche, die er beschützt und die nicht untergeht, sondern immer weiterwächst. Die Saat ist zwar scheinbar sich selbst überlassen. Man meint, das Wachstum der Kirche ist willkürlich. Doch gerade das Gegenteil ist der Fall. Im Himmel ist jemand, der Wind und Wetter für das Gedeihen und Wachsen der Saat schickt. Im Himmel ist der allmächtige Gott, der der Herr ist über alles und im Letzten alles lenkt und leitet. Das gibt uns Vertrauen und Zuversicht, dass die Kirche in Gottes Händen ist. Die Kirche ist der mystische Leib Christi, und er selbst ist das Haupt.

Das Wachsen braucht also seine Zeit. Wenn wir das Gleichnis nun wieder auf uns selbst beziehen, könnten wir uns fragen: Wie schaut es mit dem Samen aus, der in mein Herz gestreut wurde? Ist er gewachsen oder habe ich vergessen den Samen zu gießen und zu pflegen? Das kann ich sehr wohl tun, und das ist mir aufgetragen. Den Glauben muss ich stärken. Ich habe den Auftrag bekommen, Frucht zu bringen. Jesus hat uns die Sakramente geschenkt, die diesen Samen wachsen lassen. Das Reich Gottes kann sich besser in meinem Herzen ausbreiten, wenn ich oft die heilige Messe besuche, wenn ich durch die hl. Kommunion mich stärke, wenn ich regelmäßig das Sakrament der Versöhnung empfange, die heilige Beichte, und ich mich dadurch von meinen Sünden befreie. Das Reich Gottes wird nur dann in mir wachsen, wenn ich die täglichen Gebete nicht vergesse. Pflegen wir also den Samen, der ausgestreut wurde, damit er Frucht bringt und damit bei der Erntezeit das volle Korn in den Ähren zu finden ist. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021