9. Sonntag im Jahreskreis
2018 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Es geht im heutigen Evangelium und in der 1. Lesung um den Sabbat, also um das 3. Gebot: „Achte auf den Sabbat, halte ihn heilig.“ Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Der siebte Tag soll ein Ruhetag sein, so wie Gott am siebten Tag ruhte.

Der Sabbat war bei den Juden ein sehr strenges Gebot. Es erinnerte sie an die Befreiung aus der Sklaverei, die sie in Ägypten erlebt haben. Es erinnert sie, dass sie nun ein freies Volk sind und am 7. Tag ruhen dürfen. Das ist der ursprüngliche Sinn. Die Schriftgelehrten nun haben durch viele Verbote den Sabbat immer mehr zu einer Last gemacht. Es wurde aufgeschrieben, was man alles nicht machen durfte. Es war genau vorgeschrieben, wie weit man an diesem Tag gehen darf, nämlich nicht weiter als 900 Meter. Man durfte nicht kochen, ja nicht einmal einen Teig anrühren, Man musste essen, was am Vortag zubereitet wurde. Und das Ährenrupfen gehörte schon zur Erntearbeit, sowie das bloße Aufheben von Äpfeln. Und Erntearbeit war natürlich ohne Ausnahme strengstens verboten. Sie hatten den Tag der Freiheit zu einem Tag der Knechtschaft gemacht.

Das führte dann manchmal zu paradoxen Ergebnissen. Darum die Frage Jesu: Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses? Ob man am Sabbat Gutes tun darf, war Gegenstand heftigster Diskussionen. Die Schriftgelehrten stritten sich um diese Frage!

Die Christen verlegten den Sabbat, der ja ursprünglich der Samstag war, auf den Sonntag, weil Christus am Sonntag, am ersten Tag der Woche, von den Toten auferstanden ist. So trafen sie sich wöchentlich, um diesem Geheimnis zu gedenken, um den Auftrag Jesu nachzukommen: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Die sonntägliche hl. Messe war für die Christen der Höhepunkt der Woche. Aber der Sonntag bedeutete für die Christen nicht nur, die hl. Messe zu besuchen. Dies war für sie natürlich selbstverständlich. Das ist wirklich das Höchste, was sie tun konnten, das Opfer Jesu Christi feiern. Aber nicht nur „in die Kirche gehen“ gehörte für die Urchristen zum 3. Gebot, nicht nur die eine Stunde in der Kirche war wesentlich, sondern der ganze Tag war heilig. Die Arbeit wurde unterbrochen, sodass die Seele wieder aufatmen und ruhig werden konnte. Erholung, Muße und die Zeit der Besinnung wurden groß geschrieben und waren wichtig. Man nahm sich z.B. auch die Zeit Verwandte oder Kranke zu besuchen.

Wie könnten wir den Sonntag gestalten, sodass er wieder ein Sonntag wird, dass er herausgehoben ist vom Alltag? Sicher ist, dass wir nicht Rücksicht nehmen müssen und aufpassen müssen auf die 900 Meter, die man nur gehen durfte. Auch Äpfel dürfen wir aufheben, und wir müssen nicht das Essen von gestern verzehren. Selbst die Feldarbeit ist erlaubt, wenn ein Wetter bedrohlich aufzieht.

Aber man könnte sich auch wieder für die Familie mehr Zeit nehmen. Diese wichtige Gemeinschaft wieder mehr pflegen, am gemeinsamen Mittagstisch, sich Zeit nehmen für das Zusammensein und Gutes tun.

Und wenn sie die Frage stellen „Warum lässt dann die Kirche ihre Mitarbeiter am Sonntag arbeiten?“ dann ist die richtige Antwort, dass man dies nicht als Arbeit bezeichnen kann. Der Priester arbeitet nicht am Sonntag, er feiert den Sonntag. Für mich ist auch werktags die hl. Messe eine Erholung vom anstrengenden Arbeitstag. Auch die Predigt, die ich ihnen jetzt halte, ist das Ergebnis einer Arbeit, die nicht am Sonntag gemacht wird. Die mühsame Arbeit der Predigt­vorberei­tung ist vorher, die beginnt meistens schon am Montag, wenn man sich das Evangelium vom nächsten Sonntag durchliest und darüber nachdenkt. Und sie ist keine unwesentliche, leichte Arbeit hinsichtlich des Zeitaufwandes, wenigstens für mich, und ich glaube auch für viele andere, außer sie haben dazu eine ausgesprochene Begabung und ein Talent in die Wiege bekommen.

Versuchen wir also so gut es geht, aus dem Sonntag einen Festtag zu machen. Das gehört zu unserm natürlichen Lebensrhythmus, der uns ins Herz gelegt ist. Ein alter katholischer Grundsatz lautet: Wie dein Sonntag, so dein Sterbetag. Wenn wir am Sonntag Gott nicht vergessen, wird auch er uns nicht vergessen. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email