32. Sonntag im Jahreskreis
2018 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Heute wird uns in den Lesungen der Hl. Messe eine Lektion erteilt. Und zwar von zwei Witwen; von zwei armen Witwen. Die eine Witwe lebte zur Zeit des Alten Testamentes, zur Zeit des Propheten Elija. In der Zeit damals herrschte große Hungersnot. Diese Frau hatte nicht einmal genug zu essen für ihren Sohn und für sich selbst. Und da kam Elija und verlangte von ihr eigentlich etwas Unverschämtes: Mache zuerst für mich ein kleines Gebäck und bring es zu mir heraus. Danach kannst Du für dich und deinen Sohn etwas zubereiten. Und sie tut es, weil Elija ein Prophet ist, ein Bote Gottes.

Die andere Witwe lebte zur Zeit Jesu. Sie warf zwei kleine Münzen in den Opferstock des Tempels. Damit gab sie alles, was sie besaß, dem lieben Gott. Das war nicht viel. Das waren ein paar Cent. Jesus hat das beobachtet, und vielleicht hat er auch das Gesicht des Priesters gesehen, der die Münzen geprüft hat. Es durften ja nur bestimmte Münzen geopfert werden. Keine heidnischen Münzen durften die Tempelkasse verunreinigen. Ob nicht der Hohepriester etwas abfällig geschaut hat, als er diesen kleinen Betrag entgegengenommen hat? Jesus aber wusste, dass diese Frau nicht mehr hatte und alles gab.

Zwei Witwen, die alles geben! Zwei Witwen, die aber auch alles dafür erhalten!

Die Witwe aus dem Alten Testament erfährt die große Gnade, dass ihr Mehltopf nicht leer wird und ihr Ölkrug nicht versiegt, sodass sie selbst in der größten Not sicheres Leben hat.

Die Witwe aus dem Neuen Testament wird von Jesus gepriesen. Während er vorher die Schriftgelehrten wegen ihrer Scheinheiligkeit verurteilte und die Leute vor ihnen warnte, darf die Witwe auf einen großen Lohn hoffen.

Zwei Witwen, die alles geben, was sie haben! Das Wenige, was ihr Leben ausmacht, der Bissen Brot und die zwei Kupfermünzen, geben sie Gott. Und sie werden überreich beschenkt mit Leben.

Heute ist auch der Gedenktag des heiligen Martin! Das Gemeinsame zu den Witwen ist, dass er auch aus Liebe hergibt.

Indem der hl. Martin seinen Mantel teilt, zeigt er, dass er sogar mehr gibt, als er hat, denn der Mantel eines Soldaten war eigentlich Eigentum des Kaisers. Er gerät in Schwierigkeiten und muss ihn ersetzen, aber er denkt nicht daran, sondern er sieht nur, dass der Bettler seine Hilfe braucht.

Der Unterschied ist, dass Martin wahrscheinlich nicht so arm war wie die Witwen. Als Soldat hatte er ein gewisses Einkommen, aber auf das kommt es ja nicht an. Es kommt letztlich auf das Herz an. Und es kommt auf das „alles“ an. Wie gebe ich? Mit liebendem Herzen. Was gebe ich? Alles!

Gott spielt oft in unserem Leben nur eine Nebenrolle. Wir geben ihm meistens nicht alles, aber er hat uns all seine Liebe geschenkt, seine ganze Liebe. Diese Liebe wollen wir erwidern und ihm nichts vorenthalten. „Alles meinem Gott zu ehren“ heißt es in einem Lied! „Alles zur größeren Ehre Gottes.“ Das war der Wahlspruch des hl. Ignatius. „Ich wähle alles“, sagte Theresia, als ihr einmal verschiedene Spielzeuge angeboten wurden, und sie sich eines aussuchen sollte. In ihrem zukünftigen Leben hat sie dieses „Ich wähle alles“ dann auf Gott bezogen. Ihm hat sie ihr Leben ganz geschenkt, ihre ganze Liebe.

So wollen auch wir Gott doch alles geben, unsere ganze Liebe, unser ganzes Herz, denn alles, was wir haben, haben wir letztlich von Gott. Es ist seine Gnade, seine Liebe, die er uns immer wieder mitteilt.

Die armen Witwen und der hl. Martin haben sich das bewusst gemacht und diese Liebe weitergeschenkt. Die Liebe können wir von ihnen lernen. Üben auch wir sie in unserem Alltag. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email