27. Sonntag im Jahreskreis
2018 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Jedes Jahr feiern wir um diese Zeit das Erntedankfest. Die Kirche erinnert uns damit an das Danken. Sie erinnert uns, dass es nicht selbstverständlich ist, etwas zu essen zu haben. Wir wissen, viele Menschen in der Dritten Welt hungern. Jedes Jahr werden wir erinnert, dass wir Gott danken müssen für die Gaben, die er uns geschenkt hat, die letztendlich von Gott kommen.

Ein katholischer Spruch lautet: „Der dankbare Mensch kommt in den Himmel, der undankbare geht für immer verloren.“ Schon den Kindern wollen wir das Danken lernen.

Dieses Jahr war die Ernte sehr ertragreich. Aber wir haben schon Jahre gehabt, die nicht so gut waren. Manchmal warten Bauern z.B. sehnsuchtsvoll auf Regen. Wir können Regen nicht machen. Wenn es daher einige Monate nicht regnet, ist das für die Ernte eine große Katastrophe und es hat Folgen. In unserer Wohlstandsgesellschaft sind wir Gott sei Dank von Hungersnot nicht bedroht, doch wollen wir gerade deshalb das Danken nicht vergessen. Man kommt aber erst dann auf diesen Gedanken, wenn man nachdenkt. Denken und danken unterscheiden sich nur durch einen Buchstaben. Sie stehen wirklich in Beziehung zueinander. Ich muss zuerst denken, nachdenken. Die Milch macht nicht das Geschäft, in dem ich es kaufe und der Strom kommt zwar aus der Steckdose, aber wenn ich nachdenke, weiß ich woher er kommt und was nötig ist. Ich weiß dann auch, wenn ich denke, dass es Gott ist, der lebt und Leben gibt, dass es Gott ist, der den Regen und den Sonnenschein macht. Gott ist es, der uns das tägliche Brot gibt. Im Vater unser beten wir es: „gib uns unser tägliches Brot.“

Wenn ich denke, werde ich auch dann zum Ergebnis kommen, Gott dafür zu danken. Es ist oftmals das „Bitte“ und „Danke“ abgekommen. Ist dies nicht ein Hinweis, dass auch das Denken in dieser Richtung immer mehr abkommt? Alles ist so selbstverständlich geworden. Jeden Tag steht selbstverständlich das Essen auf dem Tisch, und wir vergessen oft das Danken.

Das Erntedankfest kommt daher, weil der Mensch denkt! Er denkt nach und kommt zum Ergebnis: Alles ist von Gott. Nicht der Natur verdanken wir die Ernte. Auch die Natur ist Gottes Geschöpf. Auch sie ist abhängig von Gott und gibt Zeugnis von Gott. Unser Dank gilt dem, der alles lenkt und regelt, dem selbst Wind und Wetter gehorchen. Wir danken dem, der die Gesetze der Natur gemacht hat und dem alles unterworfen ist. Gott allein müssen wir danken.

Die Landwirtschaft spürt immer wieder, dass sie bei der Ernte von Gott abhängig ist. Gott schenkt den Regen, den Sonnenschein, das Wachstum, alles. In wie vielen Ländern gibt es jährlich Probleme. Zuviel Regen, dann wieder zuviel Sonne und Hitze. Wir dürfen danken, dass wir zu den reichsten Ländern der Erde gehören. Danken wir dafür, dass bei uns nicht gleich eine Hungersnot ausbricht, wenn die Ernte nicht gut ist. Auch das Tischgebet ist Ausdruck dafür, dass wir Gott danken für die Speise, die wir so selbstverständlich jeden Tag verzehren. Führen sie es wieder ein, wenn es abgeschafft wurde! Früher war es selbstverständlich und in wie vielen Familien ist es leider plötzlich abgekommen.

Der dankbare Mensch kommt in den Himmel, der undankbare Mensch geht für immer verloren. Wenn ich einen dankbaren Menschen vor mir habe, tut das gut. Dankbarkeit tut wohl. Wenn ich etwas Gutes getan habe und der Mensch mir Dankbarkeit entgegenbringt, erfreut mich das. Der Dank des Dankbaren zeigt, dass unser Anruf der Liebe bei ihm angekommen ist, dass er aufgenommen wurde, so wie er gemeint war. Das zu wissen tut jedem gut und gibt ihm Mut, gelegentlich einmal wieder Gutes zu tun. Ein Echo macht immer Freude, schon wenn es nur von einer Felswand kommt; um wie viel mehr das Echo aus einem lebendigen Menschenherzen. Dankbarkeit tut aber nicht nur dem andern wohl, sie tut auch uns selber gut, wenn wir sie üben. Sie macht unser Herz weiter, froher, empfänglicher für die Wellen und Anrufe der Liebe, die um uns sind wie die Radiowellen, die ja auch warten, dass ein Hörer sie empfängt.

So wird das Zusammenleben in der Gemeinschaft mit dankbaren Menschen glücklicher und zufriedener.

Der hl. Paulus mahnt uns: „Habt Liebe, denn sie ist das Band der Vollkommenheit und seid dankbar.“ Liebe von der einen Seite, dankbare Gegenliebe von der anderen Seite: das gibt dem Zusammenleben Wärme und Freude, wie man sie in guten Familien findet.

Wir wollen uns den Spruch zu Herzen nehmen: Der dankbare Mensch kommt in den Himmel, der undankbare geht für immer verloren. Der hl. Paulus drückt es, wie gesagt, so aus: „Habt Liebe, das Band, das euch zur vollen Gemeinschaft zusammenschließt und seid dankbar.“ Amen.

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