16. Sonntag im Jahreskreis B 2018
16. Sonntag im Jahreskreis
2018 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Anfang Juli war ich bei meinen Eltern und konnte das umsetzen, was Jesus zu seinen Jüngern sagte: Kommt an einen einsamen Ort, und ruht ein wenig aus, um aufzutanken. Jeder Mensch braucht diese Zeiten der Ruhe und der Abwechslung. Ein Tapetenwechsel tut hin und wieder ganz gut.

Das haben die Apostel auch gebraucht: die Stille, die Einsamkeit, das persönliche Gebet, die Ruhe. Und das braucht jeder von uns.

Der liebe Gott weiß das, und er hat uns darum auch den Sonntag geschenkt. Der Sonntag ist der Tag des Herrn, der dem lieben Gott gehört. Dazu gehört nicht nur die Sonntagsmesse, sondern auch die Ruhe, das Ausspannen, das Erholen. Bei uns ist Gott sei Dank arbeitsfrei. Normalerweise brauchen wir nicht in die Arbeit gehen. Die Geschäfte haben zu! Der Mensch ist eben keine Maschine, die 24 Stunden durcharbeiten kann.

Und es ist auch interessant, dass die Woche sieben Tage hat und nicht 10 Tage. Das hat man nach der Französischen Revolution versucht einzuführen und hat sich nicht durchgesetzt. Napoleon hat es wieder abgeschafft. Und sie hat auch nicht 5 Tage, wie man in Russland es von 1929 bis 1940 versucht hat. Hat auch nicht geklappt.

Die Zahl sieben ist eine heilige Zahl. Nicht nur, dass es sieben Sakramente gibt, sondern im Buch Genesis steht schon, dass Gott die Welt in 6 Tagen erschaffen hat und am siebten Tage geruht hat. So soll der Mensch auch sechs Tage arbeiten und am siebten Tage ruhen.

Der liebe Gott wird einen, der dies berücksichtigt, ganz sicher auch mit seinen Gnaden belohnen, mit Zufriedenheit, mit Glück und mit Erfolg. Davon bin ich überzeugt.

Und doch hat Jesus sich dann doch nicht an Ruhe gehalten. Zuerst wollte er sich zurückziehen zur Ruhe, dann kamen die Menschen. Er hatte Mitleid mit ihnen, denn sie waren wie Schafe ohne Hirten, und er hat sie lange gelehrt.

Ein mir bekannter Priester, der die Angewohnheit hat recht lange zu predigen, und dessen Predigten nicht immer die interessantesten sind, hat sich auf diese Bibelstelle bezogen, als ich ihn darauf aufmerksam machte. Ich habe es ihm nur gut gemeint und riet ihm, kürzer zu predigen, da sagte er: „Auch Jesus lehrte sie lange.“

Warum lehrte sie Jesus lange und ruhte nicht aus, obwohl sie sich an einen einsamen Ort zurückziehen wollten.

Vielleicht wollte Jesus uns Priester damit einen Hinweis geben. Priester ist man nämlich für immer. „Sacerdos in aeternum!“ D.h.: „Priester auf ewig“. Ich kann mich nicht von den Sakramenten erholen. Ich habe auch im Urlaub jeden Tag die hl. Messe gefeiert. Ich habe auch im Urlaub mein Brevier gebetet. Ich werde auch im Urlaub jemand die Beichte abnehmen, wenn ich gebeten werde. Ich habe auch im Urlaub Zeit eventuell für seelsorgliche Gespräche. Ich trage auch im Urlaub mein priesterliches Gewand.

Das möchte Jesus seinen Aposteln und besonders dem Priester sagen: Habe offene Augen! Wenn jemand in Not ist und dich braucht, dann sei für ihn da. Nimm dir zwar die Zeit und zieh dich immer wieder zurück. Du brauchst die Ruhe, die Stille, die Erholung. Aber es kann sein, dass du gestört wirst, dass jemand Hilfe braucht, und dann ist es vielleicht wichtiger, dass du doch verpflichtet bist, zu helfen. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email