11. Sonntag im Jahreskreis
2018 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Jesus spricht in mehreren Gleichnissen vom Reich Gottes. Er vergleicht es mit einem Samen, der von einem Mann auf seinen Acker gesät wird. Er tut sonst nicht viel. Er schläft und steht wieder auf. Der Same wächst und bringt Frucht, ohne dass der Mann weiß „wie“. Nicht der Mann lässt die Frucht wachsen, sondern der Same wächst von alleine. Gott gibt das Wachstum. Ist das nicht tröstlich? Das Reich Gottes wird sich nicht durch unsere Leistungen und Erfolge verbreiten, sondern die Kraft steckt in der Sache selbst. Es wächst im Verborgenen. Jesus hat das Reich Gottes mit der Größe eines Senfkorns verglichen. Es ist das kleinste Samenkorn.  Aber es wird so groß werden, dass Vögel darin nisten können, d.h., dass das Leben daraus weiter geht, dass es Frucht trägt.

So ähnlich ist es mit der Kirche Gottes. Wir können die Kirche Gottes sicherlich nicht mit dem Reich Gottes gleichsetzen, aber doch vergleichen. Auch dort gibt es Wachstum. Am Anfang war die Kirche klein wie ein Senfkorn, und seit 2000 Jahren wächst sie.

Paulus schreibt in einem seiner Briefe: Ich habe gesät. Apollos hat begossen. Christus gibt das Wachstum. Eigentlich ist jeder Priester einer, der ein bisschen sät, ein bisschen gießt und manchmal ein paar Früchte sieht. Doch letztlich ist das Wachstum im Verborgenen.

Die Kirche Christi auf Erden ist auch so ein Baum geworden. Jesus hat das kleine Senfkorn eingesetzt.

Einmal hat ein Theologe, der wahrscheinlich die Kirche hauptsächlich mit ihren Fehlern gesehen hat, folgenden Satz formuliert:

„Christus hat das Reich Gottes verkündet und gekommen ist die Kirche!“ (Loisy)

Jesus verkündete oft das Reich Gottes, und gekommen ist für diesen Theologen die unselige Kirche. Was ist davon zu halten? Ja, wir sind nicht das Reich Gottes, sondern Kirche. Ja, wir können das Reich Gottes nicht „machen“, aber wir können daran mitarbeiten. Und von uns als Kirche wird es abhängen, ob unsere Mitmenschen diesen Satz mit einem höhnischen Grinsen, oder wohlwollend schmunzelnd aufnehmen.

In der Kirche gibt es immer Menschen, die sündigen. Es gibt einen bekannten lateinischen Satz, der lautet: „Ecclesia semper reformanda.“ D.h. die Kirche ist immer reformbedürftig. Jeder von uns, der Glied dieser Kirche ist, muss sich immer wieder reformieren, reinigen, heiligen, beichten und seine Sünden bereuen. Im Reich Gottes gibt es das alles nicht mehr. Das Reich Gottes ist hier auf Erden überall dort, wo die Kirche Gutes tut. Wenn heilige Messe gefeiert wird, wenn gebetet wird, wenn ich mit Jesus vereint bin, dort ist das Reich Gottes. Aber das Reich Gottes ist hier auf Erden noch nicht vollendet. Das ist es erst im Himmel. Darum beten wir auch im Vater unser „Dein Reich komme!“. Wir bitten um das Reich Gottes. Es wird in Vollendung da sein bei der Wiederkunft Christi. Wenn Christus am Ende der Zeiten in Herrlichkeit wiederkommt, dann zeigt er uns sein Reich. Wir erfahren da das vollendete Reich Gottes, auf das wir hinsteuern und auf das wir uns freuen dürfen. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email