2. Adventssonntag
2017 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Jedes Jahr schreiben so und so viele Kinder vor Weihnachten einen Brief an das Christkind. Dort kann man dann alle Wünsche lesen, die hoffentlich in Erfüllung gehen! Ich möchte, dass sie auch in diesem Advent einen Brief schreiben (wenn sie es nicht schon getan haben). Er muss nicht lang sein. Es genügt ein kleiner Zettel, den sie zur Hand nehmen sollen. Es ist aber nicht ein Wunschzettel an das Christkind, sondern ich meine einen Beichtzettel ans Christkind. Der Unterschied ist, dass wir darin uns nichts vom Christkind wünschen, sondern dass wir ihm etwas geben und schenken. Allerdings schenken wir ihm keine teuren Spielsachen, sondern das Christkind freut sich viel mehr über die Sünden, die wir ihm in die Krippe legen durch eine gute Weihnachtsbeichte. Je besser wir unsere Seele hier reinigen, umso mehr wird das Christkind seine Weihnachtsgeschenke an uns in unser Herz legen. Diese Geschenke heißen Gnaden und sind der innere Friede, die weihnachtliche Freude und die ersehnte Seelenreinheit.

Zwei Heilige können uns beim Schreiben dieses Beichtzettels an das Christkind helfen. Johannes der Täufer, der im heutigen Evangelium uns zuruft: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Fegt euer Herz durch! Reinigt die Seele! Und als Zweites die Gottesmutter, sie hat am Freitag ihren Festtag, der besonders an ein unbeflecktes Herz ohne Sünden erinnert hat.

Der Unterschied scheint mir bei diesen beiden Heiligen bezüglich der Schwere der Sünden zu liegen. So stelle ich mir vor, dass Maria uns die leichten Sünden in Erinnerung ruft und Johannes der Täufer die Schweren. Wenn er dem König Herodes zuruft: Du sollst nicht die Ehe brechen. Du darfst nicht die Frau deines Bruders zur Frau nehmen. So höre ich leise Worte der Gottesmutter, die mir sagt: Die Reinheit beginnt schon in Gedanken. Meide die Unkeuschheit im Kleinen. Schäme dich nicht, all das im Beichtstuhl loszuwerden!

Wenn Johannes der Täufer als Märtyrer für die Wahrheit stirbt und enthauptet wird, so ruft er uns damit die Todsünde des fünften Gebotes zu. Du sollst nicht töten. Du sollst das Leben auch nicht am Anfang und am Ende auslöschen, d.h. du sollst die alten Menschen nicht euthanasieren und du sollst die Babys im Mutterschoß nicht abtreiben. Von Maria hingegen hören wir wiederum leise Worte, die sagen: Pass auch mit Worten auf. Schimpfe nicht! Verurteile nicht! Denke gut über die Menschen. Verletze die Nächstenliebe nicht!

Wenn Johannes der Täufer laut und kräftig verkündet, dass wir umkehren sollen und uns Taufen sollen zur Vergebung der Sünden, denke ich auch an die anderen Sakramente, besonders an die Sonntagsmesse. Hast du sie versäumt? Maria hingegen spricht leise: Wie hast du sie mitgefeiert? Warst du in Gedanken dabei? Warst du pünktlich? Hast du dir auch die nötige Sonntagsruhe gegönnt?

Wer zu mir sagt: Herr Pfarrer, was soll ich beichten? Ich habe niemanden umgebracht und auch nichts gestohlen! Dieser Mensch ist nicht mit Maria verbunden. Er hört nur die lauten Worte des Johannes des Täufers und nicht die leisen Mahnungen der Gottesmutter, auch im Kleinen aufzupassen!

Da der Advent keine stille Zeit mehr ist, hören leider viele Menschen diese leisen Worte auch nicht mehr. Ich würde mir wünschen: Gehen sie in die Stille! Bitten sie die Muttergottes, dass sie zu ihnen spricht und schreiben sie dann einen Beichtzettel ans Christkind. Mit diesem Zettel gehen sie dann in den Beichtstuhl und lesen es einfach ganz ehrlich runter. Ich verspreche Ihnen, es wird ein wunderbares Weihnachten. Amen!

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email