Christmette
2011 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

»Gloria in excelsis deo!« »Ehre sei Gott in der Höhe!« Das ist der Gesang der hl. Engel, und dieser Gloriaruf ertönte heute erneut wieder nach vierwöchiger Pause mit umso größerer Stärke und Intensität. Die ganze Welt darf es hören. »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden.« »Heute ist uns der Retter geboren.« Er wird Friedensfürst genannt. Er will nicht nur den Frieden untereinander bringen, sondern auch den Frieden zwischen Gott und den Menschen. Das ist das alles Entscheidende. Sicher, jeder sehnt sich nach Frieden auf Erden. Das Licht von Bethlehem erinnert uns an den Frieden im Nahen Osten und an den Frieden auf der ganzen Welt. Auch diesen Frieden sollen wir anstreben, uns daran erinnern und uns danach sehnen. Doch was noch viel wichtiger ist, wird oft vergessen: Es gab Krieg zwischen Gott und den Menschen. Der Mensch hat mit der ersten Sünde gegen Gott das Kriegsbeil ausgegraben. Das war der Aufstand gegen den Schöpfer und seither führt der Mensch Krieg gegen Gott. Und immer wieder, wenn er sündigt, ist Kriegszustand. Die Sünde ist wie ein Schlag ins Gesicht Gottes und zerstört das gute Verhältnis zu Gott. Doch zu Weihnachten schickt Gott den Friedensfürsten, der uns von diesen Sünden erlösen wird, der uns befreien wird und der den Frieden zwischen Gott und den Menschen wieder herstellen wird.

Wie hat Gott das angestellt? Wie kam er auf die Erde? Das ist das Eigenartige, das Wunderbare und das so Unvorstellbare! Er kam nicht mit Pauken und Trompeten, sodass die ganze Welt erzitterte und alle Leute aus dem Schlaf riss. Nein, er kam in der Stille der Nacht. Ein zarter Engelsgesang hat ihn ein paar Hirten verkündet. Eine kleine Schar durfte es wissen. Stellvertretend für die ganze Menschheit kamen diese Hirten, die Nachtwache hielten und beteten das Kind in der Krippe an.

Der Retter kam nicht einfach als ausgewachsener Mann, als mächtiger König auf die Erde, imponierte mit seiner Macht den Menschen und eroberte alle Völker in kürzester Zeit. Nein, er kam als Baby. Er kam als hilfloses kleines Menschenkind, das sich ernähren lassen musste, das sich wickeln lassen musste, das sich erziehen lassen musste und das lernen musste. Es kam ganz arm im Stall zu Bethlehem zur Welt und hatte kein schönes Bettchen. Es war kein Lärm in der Stille der Nacht. - Das ist der Retter. Wie hat dieses Geheimnis die Menschheit in Staunen versetzt! Und jedes Jahr lassen sich immer wieder die Christen davon ergreifen. Sie kommen in Scharen in die Kirchen, um Gott in einer Krippe anzubeten.

Wir wissen nicht, wie das genau geschah! Die Bibel spricht auch hier mit vielen geheimnisvollen Erzählungen. Doch wir glauben es. Und wir versuchen es den Kindern ebenso geheimnisvoll weiterzugeben.

Ich kann mich noch gut an zu Hause erinnern, wie ich als Kind Weihnachten erlebte. Die Mutter hat am Heiligabend nachmittags schon das Wohnzimmer abgesperrt, eine Decke über die Glastür befestigt, damit man nicht hineinsieht und wir durften ab sofort nicht mehr hineingehen. Dann kam der längste Nachmittag des Jahres. Wie lange dauerte es, bis das Christkind kam!

Das Christkind gibt es wirklich. Und es kam noch jedes Jahr. Das Glöckchen hat es angekündigt. Zuvor haben wir noch gebetet. Es wurde das Weihnachtsevangelium vorgelesen. Dann kam ein Vaterunser für die verstorbenen Großeltern und eines für meinen Priesteronkel in Südafrika. Dieses Gebet dauerte am allerlängsten und dann erst durften wir hinein. Der leuchtende Christbaum und darunter die Geschenke, die Krippe und die vielen brennenden Kerzen.

Das Staunen! Das ist ein Bild für das Geheimnis zu Weihnachten. Gott wird Mensch. Da können wir auch nur staunen. Wie geht das? Das ist ein Geheimnis der Liebe. Die vollkommene Liebe wird Mensch und erniedrigt sich so tief.

Der christliche Mensch hat sich also viel ausgedacht, um den Kindern auch schon dieses Geheimnis ins Herz zu legen. Hören wir damit nicht auf! Die Kinder werden einmal dafür sehr dankbar sein, dass sie ihnen diesen Glauben ins Herz gelegt haben.

Wir feiern Weihnachten in der Nacht. Verborgen in der Dunkelheit der Nacht strahlt ein Licht auf und Maria gebar uns ihren Sohn. Durch Maria kam der Erlöser auf diese Erde und dieses Geheimnis feiern wir heute bei der hl. Messe und da möchte ich am Schluss ihnen noch folgenden Gedanken mitgeben.

So wie durch Maria Jesus auf die Welt kam, so kommt durch den Priester erneut Jesus auf die Welt, nämlich auf den Altar. Er wird dort gegenwärtig. Damals geheimnisvoll als Kind, als Baby, jetzt und bei jeder Messfeier geheimnisvoll im Brot des Lebens. Er schenkt sich uns! Er möchte in unser Herz kommen. Lassen wir ihn hinein und beten ihn an, dann ist auch in unserm Herzen Weihnachten. Amen.

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