1. Adventssonntag A 2025
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1. Adventssonntag 2025 A

Messtexte | Word-Dokument

Mit dem 1. Advent beginnt das große Warten – das Warten auf das Christkind, das Warten auf das Kommen unseres Herrn Jesus Christus.

Warten gehört zu unserem Leben: wir warten im Wartezimmer beim Arzt, warten auf den Feierabend, auf einen Besuch, auf eine E-Mail oder auf eine SMS oder WhatsApp Nachricht, darauf, dass die Schule zu Ende ist. Oft empfinden wir das Warten als langweilig oder mühsam.

Doch selten denken wir daran: Auch im Fegefeuer ist das Warten das Schwerste – das Warten auf den Himmel.

Warten kann zäh sein, schmerzhaft, leer. Aber: Wir können es mit Sinn füllen. Nutzen wir daher die Wartezeit des Advents bewusst, um sie christlich zu gestalten.

Die Welt bietet uns vieles an – Sinnvolles, aber auch Ablenkendes. Lassen wir uns nicht verführen von Dingen, die uns vom Geheimnis der Menschwerdung Gottes wegführen. Der Advent soll ein wachsames Warten sein.

1. Ein Warten im Gebet: Wir haben den Adventkranz. Zünden wir am Abend öfter die Kerzen an, singen wir gemeinsam zuhause, lesen wir den Kindern oder Enkeln besinnliche Geschichten vor und beten wir miteinander. Auch die Herbergssuche ist eine schöne Tradition – sie erinnert uns daran, wie schwer damals die Stunde der Geburt Jesu war.

2. Warten heißt auch: Aufbrechen. Warten bedeutet nicht, untätig zu bleiben. Wer wartet, bereitet sich vor. Wir wollen die Wege ebnen, die Pfade gerade machen, die Berge abtragen – wie es der Prophet Jesaja sagt –, damit Gott kommen kann. Und wenn wir das tun, machen auch wir uns auf den Weg. Vier Wochen lang gehen wir den Weg hin auf Weihnachten. Lauter Worte mit dem Buchstaben „W“: 4 Wochen - Warten – Weg - Wandern – Weihnachten.

Die Kinder warten oft ungeduldig, weil sie viele Wünsche ans Christkind haben. (Wieder ein Wort mit „W“: wünschen) Doch vielleicht dürfen wir uns fragen: Welche Wünsche hat das Christkind an uns?

Bei einem Geburtstag wird normalerweise das Geburtstagskind beschenkt – und das sind nicht wir. Was schenken wir also Christus zum Geburtstag? Wo sollten wir uns ändern? Welche alten Gewohnheiten ablegen? Wo können wir Not lindern und Freude bereiten?

Dazu gehört auch die Weihnachtsbeichte. Legen wir unsere Sünden als Geschenk in die Krippe des Christuskindes. Johannes der Täufer ruft zur Umkehr und Buße auf. Nicht nur äußerer Weihnachtsputz – sondern innerer. Reinigung des Herzens, der Seele.

3. Gedanke: Die dreifache Ankunft Christi: Im Evangelium hörten wir heute auch vom Ende der Welt. Warum im Advent? Die Kirche erinnert uns daran, dass Christus dreimal kommt: 1. Vor 2000 Jahren in Bethlehem. 2. Heute in unser Herz, besonders in der heiligen Kommunion. 3. Am Ende der Zeiten.

Und gerade auf diese dritte Ankunft sollen wir uns vorbereiten – denn danach entscheidet sich, wie lange wir im Fegefeuer noch warten müssen. Leben wir also so, dass die Wartezeit kurz ist und wir schnell zum Christuskind gelangen. Dort ist ER nicht mehr arm im Stall, sondern in ewiger Herrlichkeit. Und wir werden dort glücklicher sein als an dem schönsten Weihnachtsfest unseres Lebens.

Gott wird uns im Himmel die größte aller Überraschungen bereiten und alle unsere Wünsche auf die beste Weise erfüllen.

Ein vierter und letzter Gedanke: Wenn Christus heute käme …

Was würden wir tun, wenn Christus plötzlich – heute oder morgen – auf den Wolken des Himmels erschiene? Vielleicht denken wir: „Das dauert sicher noch.“ Aber wenn es geschehen würde, dann würde plötzlich vieles unwichtig: Geld und Besitz, Karriere und Komfort, alles, was wir oft für so unerlässlich halten. Nur eines bliebe groß und wichtig vor unserer Seele: die Sorge um unser ewiges Heil.

Der 1. Advent ist der Beginn eines neuen Kirchenjahres. Wie wir zu Silvester Vorsätze fassen, so könnten wir das auch heute tun. Machen Sie sich einen Adventvorsatz. Dann wird es ein wahrhaft sinnvoller Advent. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2025