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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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20. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Die Juden sind das auserwählte Volk Gottes. Gott hat sich dem jüdischen Volk geoffenbart. Wenn wir in das AT hineinschauen war es immer wieder der Glaube an den einen Gott, Jahwe, der sie von den anderen Völkern abgrenzte, die an viele Götter glaubten. Immer wieder war auch die Gefahr, dass die Juden solche Götzen ebenfalls anbeteten. Das Goldene Kalb, das sie gegossen haben, ist eines der berühmtesten Beispiele. Gott hat sie aber im AT immer wieder durch die heiligmäßigen Männer und Propheten zum Ein-gott-Glauben zurückgeführt. Mit Jesus kam nun Gott selbst auf die Erde und vollendete die Offenbarung. Für die junge Christengemeinde, besonders für die, die aus dem Judentum kamen, war es nicht von Anfang an klar, wie weit die Heiden in die christliche Gemeinschaft aufgenommen werden können und inwieweit das jüdische Gesetz erfüllt werden musste. Paulus hat sich dafür stark gemacht, dass Heiden sich nicht beschneiden lassen müssen, und er gilt als der große Heidenmissionar. Wo sind die ersten Hinweise, dass Gott auch die Heiden in seiner Kirche haben will? Der Taufbefehl ist sicher ein wichtiger Hinweis: Geht hinaus in die ganze Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Petrus hat dann den heidnischen Hauptmann Cornelius mit seiner Familie in die Kirche aufgenommen. Aber Jesus hat schon zu seinen Lebzeiten auf Erden immer wieder Zeichen gesetzt. Schon nach der Geburt sehen wir die Weisen aus dem Morgenland, also Heiden, zur Krippe kommen. Jesus hat den Diener eines römischen Hauptmannes geheilt und seinen Glauben gelobt. Er verkündete der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen, dass Gott Geist ist und von allen angebetet wird.

Und die kanaanäische Frau, die Jesus um Hilfe für ihre Tochter bat, war auch eine Heidin. Jesus hat sie zunächst abgewiesen. Dreimal bekommt sie von ihm eine schroffe Abfuhr. Zuerst gibt er ihr keine Antwort. Er behandelt sie wie Luft. Dann erklärt er ihr, dass er nur zu den verlorenen Schafen Israels gesandt ist. Auch jetzt gibt die Frau noch nicht auf. Schließlich kommt der Höhepunkt, und er vergleicht sie mit Hunden, die kein Recht auf das Brot der Kinder haben. Demütig geht die Frau sogar auf den Vergleich ein und erinnert Jesus daran, dass auch Hunde ein bisschen was bekommen. Daraufhin sagt Jesus: Frau, dein Glaube ist groß! Er heilt die Tochter. Hier macht Jesus also ein deutliches Zeichen: Das Heil ist für alle Menschen gedacht.

Bewundern wir den Glauben, aber auch die Beharrlichkeit der Frau!

Es erinnert mich an eine andere Bibelstelle. Jesus erzählt einmal von einem Mann, der einen anderen um Brot bittet. Dieser schläft aber bereits mit seiner Familie im Obergeschoß und es ist mühsam herunterzugehen. Der Mann hört nicht auf zu bitten, und er bekommt sein Brot, weil er lästigfällt. So ist es bei der Frau auch. Sie hört nicht auf zu bitten. Sie bringt immer wieder neue Argumente und bleibt beharrlich mit ihrem Wunsch.

Jesus möchte uns ermutigen, beharrlich zu sein in unserem Gebet. Er möchte, dass wir nicht gleich aufhören, sondern weiterbeten und immer wieder anklopfen und bitten. Manchmal muss man ein wenig Geduld haben, bis Gott einen erhört. So möchte auch ich sie anspornen und bestärken im Bittgebet. Jeder braucht hin und wieder eine Motivation weiterzumachen und nicht aufzugeben. Gott hört uns. Er ist kein tauber Gott, sondern hat gute Ohren. Wie er uns erhört und wann er uns erhört, also den Zeitpunkt der Erhörung, können wir ihm nicht vorschreiben. Doch dass er es gut mit uns meint, das ist sicher. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020