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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Christkönigssonntag 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Am letzten Sonntag im Jahreskreis erinnert uns Jesus erneut an das Gebot der Nächstenliebe.

Als Einstieg dazu eine Geschichte aus Russland. Zu Beginn des Advents sagt der Vater zu seinen Kindern: „Am Heiligen Abend wird uns Jesus besuchen.“ Darauf fragen die Kinder: „Wie schaut er aus?“ „Das weiß ich nicht. Es könnte aber sein, dass ihr blind seid und ihn nicht erkennt. Darum betet ohne Unterlass: Jesus, lass mich nicht blind sein.“ Am Heiligen Abend klopft jemand an die Tür. Der Vater rennt und öffnet. Ein hässlicher Geruch dringt in den Raum. Hier steht ein Bettler in Lumpen und voller Geschwüre. Der Vater empfängt ihn voll Ehrfurcht, wäscht und verbindet seine Wunden und kleidet ihn neu. Er setzt ihn an den Tisch und bedient ihn. Da kommen seine Kinder und fragen: „Papa, wann kommt Jesus?“ Da weint der Vater: „Kinder, seid ihr immer noch blind. Habt ihr nicht richtig gebetet?“ Und er wurde traurig, weil sie im Bettler nicht Jesus erkannten.

Die großen Heiligen der Nächstenliebe, die wir immer im November feiern, die hl. Elisabeth und der hl. Martin, haben Jesus im Nächsten erkannt.

Das heutige Evangelium schildert uns die Gerichtsrede und erinnert uns an diesen Punkt, dass wir, wenn wir dem Nächsten Gutes tun, Christus damit Gutes getan haben.

Im Evangelium tritt der Menschensohn als König auf und wird die Guten von den Bösen trennen. Jeder von uns wird nach seinem Leben vor Gott, dem König, stehen und Gott wird ihn richten. Gott vergisst nichts. Er kennt alle deine guten Werke, die dann aufgezählt werden. Er weiß aber auch um all deine Unterlassungen.

Die Geschichte vom Weltgericht ist diesmal kein Gleichnis. Es wird einmal sicher so kommen. Am Ende des Kirchenjahres ist es gut, sich Gedanken über den Ernst des Lebens zu machen. Wir werden erinnert, dass wir einmal Rechenschaft über unser Leben ablegen müssen. Und dies kann uns Menschen eigentlich nur zeigen, wie wertvoll und wichtig unser Leben ist und dass es ein Ziel gibt. Wir werden von nichts überrascht, was wir nicht selber wüssten. Es wird nur offenbar und deutlich, was wir längst geahnt, gespürt und auch gewusst haben. Gott wird uns die alles entscheidende Frage stellen, die lautet: Habt ihr geliebt? Hat sich die Gottesliebe auch dadurch ausgedrückt, dass ihr die Not des Mitmenschen gesehen habt?

In diesem Weltgericht erscheint Gott als König. Der heutige Christkönigssonntag erinnert uns, dass Jesus unser König ist. Dieses Königtum Christi hat nur bedingt etwas zu tun mit den Königen in der heutigen Zeit. Die Amtsübernahme eines Königs ist immer ein Fest und viele Leute werden dazu eingeladen. So wird es bei uns im Himmel auch sein, wenn Jesus Christus unser König das himmlische Hochzeitsfest mit uns feiert. Doch sind im Himmel nicht nur auserlesene Gäste geladen, sondern alle, die das Gericht bestanden haben, dürfen daran teilnehmen. Es dürfen alle eintreten, zu denen Christus beim Gericht sagen konnte: Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben. Ihr habt mir zu trinken gegeben, mich aufgenommen, mich besucht, mir Kleidung gegeben, usw.

Tun wir also viel Gutes und sammeln wir gute Taten in unserem Leben, so dass Christus, wenn er alle Völker zusammenruft, uns als Schafe zu seiner Rechten versammelt und zu uns sagen kann: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.“ Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020