7. Sonntag im Jahreskreis
2014 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Erneut hörten wir einen Ausschnitt von der wichtigen Bergpredigt, in der Jesus uns seine neue Lehre vermittelt. Es sind dies unerhörte Forderungen. 

Die Frage, die ich mir dabei stelle, ist die: Haben wir nicht vielleicht zu wenig genau diese Lehre befolgt, auch wenn sie schwer ist? Hat nicht vielleicht deswegen in unserem Lande die Kraft des Christentums abgenommen, weil wir im AT steckengeblieben sind: „Aug um Aug, Zahn um Zahn.“ „Ihr sollt deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“ Jesus spricht ganz anderes. „Liebt eure Feinde!“ „Nicht nur die grüßen, die euch grüßen!“ „Auch die andere Wange hinhalten.“
 
Aber vielleicht wirft uns einer jetzt vor: Sind das nicht Phantasiegebilde, Wunschträume, unerfüllbare Ideen, Forderungen, die nicht erfüllt werden können? Dass es nicht leicht ist, das wissen wir. Wir wissen aber auch, dass es viele gab, besonders die Heiligen in der Kirche, die Märtyrer, die Blutzeugen, die nach dieser Bergpredigt gelebt haben, die ihr Leben dafür hingegeben haben, die viele dadurch beeindruckt haben und das Christentum anziehend gemacht haben.
Angefangen vom ersten Märtyrer dem heiligen Stephanus, der im Sterben für seine Feinde gebetet hat, wie Jesus das am Kreuz getan hat.
 
Die Feindesliebe ist der Liebe Meisterstück. Jeder weiß, dass man nicht sofort ein Meister ist in einem bestimmten Fach. Jeder weiß, dass man üben muss, wenn man etwas erreichen will, und dass man lernen muss, wenn man es zu etwas bringen will. Genauso ist es hier. Auch hier werden wir nicht sofort die perfekten Christen sein, die in der Liebe vollkommen sind. Der Liebe Meisterstück ist die Feindesliebe.
 
Diejenigen lieben, die uns lieben, das ist leicht. Diejenigen lieben, die uns weder lieben noch hassen, ist nicht gerade leicht, aber auch nicht übermäßig schwer. Diejenigen lieben, die uns feindlich gesinnt sind, die uns quälen, kränken, beleidigen, ja vielleicht hassen und verfolgen, das ist so groß und so schwer, dass es uns zunächst überhaupt nicht in den Kopf will. Da begehrt in uns etwas auf! Ich soll den Menschen lieben, der nur Böses will, der mir Schaden zufügt, der mein Recht mit Füßen tritt? Warum? Wieso? Wie kann ich das schaffen?
 
Nun ist aber dazu eines zu sagen. Wenn wir von der Feindesliebe sprechen, ist damit nicht eine fühlbare Liebe gemeint. Auf das Gefühl kommt es hier nicht an. Das Gefühl kann ich mit meinem Willen nicht dirigieren. 
 
Die hl. Franziska v. Chantal konnte fünf Jahre lang den Namen des jungen Barons, der auf der Jagd mit einem unglücklichen Schuss ihren Mann getötet hatte, nicht einmal aussprechen bis der hl. Franz von Sales sie mit Güte und Geduld endlich dazu brachte, ihm zu verzeihen und zwar mit der Erklärung, dass es nicht ein fühlbares Verzeihen sein muss, sondern dass es genügt, wenn ich mit meinem Willen ihm verzeihe. 
 
Dieses Verzeihen wird sich in der Tat zeigen, wenn ich ihm im Notfall helfe, so wie wir jedem Menschen helfen sollen, wenn ich ihm Gutes tue, soweit ich kann. Das ist unsere Christenpflicht. Es ist verboten, unsere Feinde zu hassen, uns an einem Feind zu rächen, ihm Böses zu wünschen und uns über sein Unglück freuen. Das alles dürfen wir nicht.
 
Große Herzen gehen dann noch weiter: Wenn sie für ihren Feind in aller Stille auch noch Gutes tun. Wenn jemand für den Mörder des eigenen Mannes ein Gnadengesuch unterschriebt, um ihm das Leben zu retten, wie es bei folgendem abschließenden Beispiel der Fall war.
 
 Am 12. April 1908 wurde in Lemberg der Statthalter von einem Studenten ermordet. Seine Frau war total gebrochen. Sie hatte immer wieder große Versuchungen zu  bitterem Hass gegen diesen Mörder und Vernichter ihres Glückes, den das Gericht zum Tode verurteilte. Doch sie fühlt nun das Gebot der Feindesliebe in ihrem Herzen und die Forderung Jesu, diesem Mörder zu verzeihen, damit sie den inneren Frieden bekomme. Es war ein schwerer, langer, innerer Kampf. Lange kniete sie immer wieder in der Kirche vor dem Allerheiligsten. Dann ging sie nach Hause und schrieb mit zitternder Hand einen Brief: das Gnadengesuch an den Kaiser für den unglücklichen Mörder. So rettete sie das Leben dieses Mörders.
 
Auch wenn es schwer ist, bitte, versuchen wir es! Üben wir uns darin, dann werden wir als Christen ausstrahlen. Amen.
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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email