24. Sonntag im Jahreskreis
2014 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Zu den ältesten Darstellungen des Gekreuzigten zählt ein Spottbild. Wie schaut dieses aus? Man sieht an dieser Wand in groben Zügen ein Kreuz gekritzelt. An diesem Kreuz hängt ein menschlicher Körper mit einem Eselskopf. Davor kniet ein Soldat. Daneben steht die Worte: „Alexamenos betet einen Gott an“.

Dieses Bild stammt aus der Zeit der Christenverfolgung in den ersten Jahrhunderten. Offenbar gab es in der kaiserlichen Garde bereits bekennende Christen. Die heidnischen Kameraden malten auf die Wand, was sie von diesem neuen Glauben hielten: Spott und Hohn. Für uns Christen ist das Kreuz aber etwas ganz Heiliges geworden. Wir hängen Kreuze auf. Wir stellen Kreuze auf. Wir hängen uns Kreuzchen um den Hals. Überall begegnet uns das Kreuz, ob das ein Wegkreuz ist, ein Gipfelkreuz, ein Kirchturmkreuz oder das Kreuz in den Klassenzimmern, das wir uns nicht nehmen lassen wollen.

Die Legende berichtet, dass die Kaiserin Helena sich aufmachte, das Kreuz Jesu zu suchen. Sie fuhr nach Jerusalem und hat auf dem Berg Golgotha zu graben begonnen. Tatsächlich kamen drei Kreuze zum Vorschein. Nun wußte sie aber nicht, welches das richtige Kreuz ist. Da hat man einen Gelähmten auf alle drei Kreuze gelegt. Als man ihn auf das dritte Kreuz legte, wurde er sofort gesund und konnte wieder gehen. Da wußte man, welches der Kreuze, das Kreuz Jesu war und brachte es nach Europa.

Neben den Karfreitag ist das Fest Kreuzerhöhung, das heuer auf einen Sonntag fällt, das wichtigste Fest, an dem wir das Kreuz verehren.

„Wenn ich am Kreuz erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.“ Auf ihn werden sie schauen. So wie die Israeliten gerettet wurden, nachdem sie von den Giftschlangen gebissen wurden, wenn sie die kupferne Schlange angeschaut hatten, so ist Rettung durch das Kreuz Christi, wenn wir auf das Kreuz schauen.

Das Kreuz ist ein Segenszeichen für uns geworden. Das, was ursprünglich der schändlichste Tod war, (nur die ärgsten Verbrecher wurden ans Kreuz geschlagen) hat sich gewandelt durch den unschuldigen Kreuzestod Christi. Nur weil Jesus uns durch das Kreuz von unseren Sünden erlöst hat, den Tod besiegt hat, hängen wir dieses Marterwerkzeug in unseren Häusern und überall auf. Weil es das Siegeszeichen geworden ist, erinnert es uns eben an die Auferstehung. Jesus ist am dritten Tag auferstanden, aber er ist diesen Weg des Kreuzes gegangen. Das müssen wir verkündigen! Der hl. Paulus sagt es deutlich: „Ich verkündige euch Christus, den Gekreuzigten.“ Darum feiert die Kirche neben dem Karfreitag noch zusätzlich ein Fest - Kreuzerhöhung, wo wir das Kreuz betrachten und zu ihm aufschauen.

Es ist also kein Zeichen der Angst und der Furcht, sondern ein Zeichen der Hoffnung, ein Zeichen des Sieges!

Lassen wir uns als Christen dieses Zeichen nicht nehmen. Schauen wir öfter wieder bewußt auf das Kreuz. Machen wir öfter wieder bewußt das Kreuzzeichen. Es soll nicht zu einem Schmuckzeichen verkümmern. Wir wollen den Tag mit dem Kreuzzeichen beginnen und mit dem Kreuzzeichen beenden. Wir wollen unser ganzes Leben bewußt unter das Zeichen des Kreuzes stellen. Kreuze werden in unserem Leben nicht erspart bleiben. Aber Jesus hat uns auch nicht ein Leben ohne Leiden prophezeit. Er hat sogar gesagt: „Wer mir nachfolgen will, nehme täglich sein Kreuz auf sich.“ Sicherlich sollen und wollen wir das Kreuz nicht suchen. Wir sind als Christen sogar aufgerufen zu helfen, wo es nur geht, das Kreuz leichter zu machen. Aber es braucht in der heutigen Zeit wieder tapfere Kreuzträger, nicht große Jammerer. Wir wollen Jesus nicht alleine das Kreuz tragen lassen, sondern mithelfen. Auch der Muttergottes blieb das Leid nicht erspart. Wenn wir das Kreuz aus Liebe zu Jesus annehmen, dann geben wir dem Kreuz einen Sinn. Viele Kreuze gibt es: in der Ehe, Familie, Kinder, Krankheit, Tod, Aussichtslosigkeit, Einsamkeit, Verbitterung, Sündenlast. Alle unsere Kreuze können wir immer in die hl. Messe mithineinnehmen. Wir feiern ja das Kreuzesopfer Jesu Christi. Er ist uns vorausgegangen und nimmt das meiste Gewicht unserer Kreuze dadurch ab. Geben wir ihm unsere Nöte! Er wird uns helfen. Und holen wir uns diese Erleichterung des Kreuzes durch die hl. Messe. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email