16. Sonntag im Jahreskreis
2014 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Zuerst möchte ich bei diesem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen auf einen bestimmten Satz hinweisen. Als die Knechte dem Gutsherrn melden, dass da auf dem Acker nicht nur Weizen heranwächst, sondern auch Unkraut, sagt er zu ihnen: „Das hat ein Feind von mir getan.“ Wer ist dieser Feind? Wenn Gott den guten Samen gesät hat, dann kann der Feind nur sein Gegenspieler, der Teufel sein. Ursprünglich hat der liebe Gott alles gut erschaffen. Alles, was er gemacht hat, war sehr gut, heißt es in der Genesis. Auch die Engel hat er alle als gute Geister erschaffen. Hier kam jedoch das Unglück. Luzifer wollte nicht mehr dienen und wurde so zu diesem Gegenspieler. Er ist dieser Feind. Er streut immer wieder Unkraut. Dieser Feind hat es geschafft, dass das in Freiheit erschaffene erste Menschenpaar, Adam und Eva, auch gesündigt haben und dass seither immer auch Unkraut wächst. Das Unkraut in unserem Herzen sind die sündhaften Gedanken, Worte und Werke. Wenn wir der Versuchung des bösen Feindes erliegen, dann hat er wieder erfolgreich Unkraut gestreut.

Eines aber ist wichtig zu bedenken. Gott und sein Gegenspieler sind nicht gleich stark. Sie stehen nicht auf einer Ebene. Es gibt nur einen Gott, und alles andere ist von ihm erschaffen und von ihm abhängig. Der Glaube in so manch anderen Religionen, dass Gut und Böse auf der gleichen Ebene liegen, ist falsch. Gott ist der Schöpfer von allem und er hat alles in der Hand. Der böse Feind, der das Unkraut streut, hat nur momentanen Erfolg. Der Sieg gehört dem lieben Gott. Er wird am Ende ernten! Er wird den Weizen in die Scheune bringen und das Unkraut verbrennen.

Wir Menschen würden nun gern diesen momentanen Erfolg des bösen Feindes sofort vernichten. Sollen wir gehen und das Unkraut ausreißen? Es stört doch! Nein, lasst beides wachsen. Das ist die unverständliche Weisung. Warum? Warum sollen wir das Böse nicht gleich vernichten? Die Antwort des Gutsherrn ist: Man könnte auch guten Weizen ausreißen.

Der Hinweis hier auf die Geduld ist nicht schlecht. Wir Menschen müssen uns auch immer an der Geduld arbeiten. Wir müssen das „Warten-können“ lernen. Gott ist geduldig und wir sollen uns hier auch üben. Gott wird alles recht machen. Er wird am Ende alles gerecht richten. Er wird das Unkraut verbrennen. Und wir sollen achtgeben, dass in unserem Herzen der Weizen gut heranwächst. Und wenn wir in einem anderen Menschen das Unkraut sehen, dann sind wir zwar immer in der Versuchung, zurecht zuweisen, zu zerstören, zu vernichten, aber das entscheidende ist meines Erachtens, zuerst immer nachzudenken, was könnte das für mich bedeuten. Wo ist in mir noch Unkraut? Bin ich noch zu ungeduldig? Bin ich noch zu lieblos? Usw.

Wer ist nicht manchmal ungeduldig? Manchmal fällt uns diese Geduld sehr schwer und wir würden gerne beten. „Lieber Gott schenkt mir Geduld, aber ein bißchen plötzlich.“ So geht es nicht. Aber beten müssen wir um Geduld, denn selber können wir sie uns nicht geben. Gott muss sie uns schenken. Und da heißt es eben auch demütig darum zu bitten, dass wir in dieser Geduld langsam wachsen dürfen. Es ist dies eine Tugend, die wir uns nicht von heute auf morgen aneignen werden, sondern, die wir üben müssen, an der wir an uns arbeiten müssen. Eine Tugend, die nur Schritt für Schritt uns von Gott geschenkt wird, wenn wir treu im Gebet sind. Gott ist nämlich auch geduldig. Er läßt beides wachsen, damit ja nicht das Gute vernichtet wird, sondern, damit das Gute Frucht bringt. Wir wollen in Geduld so leben, dass Gott bei uns am Ende viel Weizen in seine Scheune bringen kann. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email